Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Umgang mit Praxisfällen!

 

Der wunde Punkt – gemeinsam zum Ziel!

Es ging alles ganz schnell. Die sechsjährige Afghanenhündin war beim Spaziergang blitzschnell auf die Straße gesprungen, als die Besitzerin einen Moment lang nicht aufpasse. Starr vor Schreck beobachtete sie, wie der Hund von einem Auto erfasst wurde und reglos liegen blieb. Die Hündin wurde sofort in die Tierklinik gebracht, wo sie notfallmäßig versorgt wurde. Erst hier zeigte sich das ganze Ausmaß der Verletzungen: Nicht nur das Knie hatte Schäden erlitten, vor allem zeigte die Haut im Oberarm- und Brustbereich großflächige Verbrennungen 3. Grades, da die Hündin unglücklicherweise gegen den glühendheißen Auspuff gepresst worden war. Es war bereits deutlich zu erkennen, dass die verbrannte Haut großflächig absterben und eine riesige Wunde zurückbleiben würde. Ob das jemals heilen würde?

Aber Hund und Besitzer hatten Glück, denn die Tierklinik war mit einem Laser-Gerät ausgerüstet und nach Säuberung der Wunde und Verabreichung von Medikamenten wurde sogleich mit der Wundbehandlung begonnen. Zweimal täglich wurde die Lasersonde insgesamt 15 Minuten lang Punkt für Punkt an die Wundränder gehalten, um die Bildung neuer Haut anzuregen. Die Hündin ließ sich das problemlos gefallen, denn die Laser-Behandlung ist völlig schmerzfrei und die Sonde muss die Haut noch nicht einmal berühren.

Tag für Tag konnte die Besitzerin nun zuschauen, wie die riesige klaffend-rote Fläche keiner wurde. Nach zwei Monaten erinnerte nur noch ein kleiner haarloser Fleck an die schlimme Wunde.

 

Praxisfall Wunden - Bild 1 Praxisfall Wunden - Bild 2

 

 

Praxisfall Wunden - Bild 3


Der Laser ist eines der wichtigsten Therapiegeräte, mit denen der Tierphysiotherapeut Patienten mit offenen Wunden, die z.B durch Schnitt oder Riss entstanden sind, behandelt. Gerade in der Wundtherapie spielt er eine herausragende Rolle, denn kaum ein anderes Instrument beschleunigt die Heilung von Haut und Gewebe in solchem Maße.

 

Praxisfall Wunden - Bild 4
Lasersonde und Laserdusche


Konkurrenz machen kann dem Laser einzig das Magnetfeld, das als Decke, Gamasche oder Trommel zum Einsatz kommt. Es sorgt je nach Einstellung für eine vermehrte Durchblutung, fördert die Zellernährung und verbessert die Gewebedehnbarkeit, wirkt aber auch antientzündlich und schmerzstillend.

Aber dies sind nicht die einzigen Behandlungen, die der Tierphysiotherapeut bei Wunden anwendet.

Sowohl offene als auch geschlossene Wunden, die z.B. aufgrund eines stumpfen Stoßes bei unverletzter Haut auftreten, zeigen eine deutliche Schwellung. Diese ist für die Heilung von Nachteil, da sie das Gewebe von der Blutversorgung abdrängt und die Regeneration behindert. Auch Operationen hinterlassen Wunden, die mehr oder weniger ausgeprägte Schwellungszustände zeigen.

 

Praxisfall Wunden - Bild 5
Frische Operationswunde


Durch sofortige Kältekompression können diese wirkungsvoll begrenzt werden. Anschließend ist eine fachgerechte Lymphdrainage angezeigt, um die deplazierte Flüssigkeit abzutransportieren. Dazu legt der Tierphysiotherapeut seine Hände zur Ausführung spezieller Massagegriffe ganz besonders sanft und großflächig auf, um eine optimale Drainage des Gewebes zu erzielen. Hierdurch wird das sogenannte Ödem zusehens kleiner und die Wundheilung forciert.

Auch wenn der Tierphysiotherapeut über viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten von Wunden verfügt, sind die tierärztlichen Maßnahmen zur Wundversorgung natürlich unverzichtbar.

So wird der Tierarzt zunächst für eine Blutstillung sorgen, den Wundbereich scheren und säubern abgestorbenes Gewebe entfernen, bei Bedarf die Haut vernähen und Medikamente verabreichen. Manchmal ist sogar eine Hauttransplantation notwendig.

Doch auch bei fachgerechter tierärztlicher Versorgung können sich Komplikationen an der Wunde einstellen. So kann es beispielsweise durch eine Infektion oder unzureichende Blutversorgung zu verzögerter Wundheilung oder weiterem Absterben von Gewebe kommen. Die Wunde kann nässen und eitern oder eine Operationsnaht geht wieder auf.

Neben der schnellen und effektiven Hilfe, die der Tierphysiotherapeut in solchen Fällen zu leisten vermag, kann seine Behandlung auch nach einem scheinbar komplikationsfreien Heilungsverlauf notwendig werden, dann nämlich, wenn sich die Narbe verdickt, mit dem darunter liegenden Gewebe verklebt und sich in Längsrichtung zusammenzieht. Solche Narbenkeloide und Narbenkontrakturen können zu Bewegungseinschränkungen des Tieres führen, besonders, wenn sie sich in der Nähe von Gelenken befinden. Dadurch kann das Tier eine regelrechte Lahmheit entwickeln.

Hier zeigt die Narbenmassage ihre große Wirksamkeit, denn auch diese wird vom Tierphysiotherapeuten beherrscht. Mit recht kräftigen gezielten Griffen löst er nicht nur die sogenannten Adhäsionen, sondern sorgt auch dafür, dass die Narbe wieder weich und flach wird. Auch Kompressionsverbände tragen dazu bei, Wulstnarben zum Verschwinden zu bringen. Nicht zuletzt zählen hier auch optische Aspekte, zum Beispiel, wenn das Tier auf Ausstellungen vorgestellt werden soll.

Die Physiotherapie findet bei der Wundbehandlung immer mehr Beachtung. Bei großen Hautverletzungen, Wundheilungsstörungen und problematischen Narben sollte sich der Patientenhalter über die Möglichkeiten der physikalischen Therapiemöglichkeiten informiert sein, um seinen Tierarzt nötigenfalls darauf anzusprechen.

Im oben beschriebenen Fall der Afghanenhündin hat die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Tierphysiotherapeut zu einem optimalen Heilungsverlauf geführt.

 

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